Außereheliches

Die Ehe zwingt Menschen in ein Ideal von Beziehung, welches moderner Lebenswirklichkeit widerspricht. Gerade, wenn man nicht heiraten will, kann es diskriminierend sein, dass mit dem Schutz der Ehe eine gesamtgesellschaftliche Durchsetzung eines konservativen Ideals realisiert werden soll, welches aus der Zeit gefallen scheint.

Nicht die Ehe sollte im Mittelpunkt des Schutzes des Grundgesetzes stehen, sondern das Wohl des Kindes. Laut Artikel 6 GG heißt es:

Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

Ehe hat nun aber in der modernen Lebenswirklichkeit nicht mehr die Wirkung, die ihr noch in früherer Zeit zugeschrieben wurde. Dies kann man bedauern oder nicht. Fakt ist, dass die Ehe auch nicht mehr

 die natürliche und sittliche Grundlage der menschlichen Gemeinschaft

ist.

Vielmehr ist das Zusammen- oder Einzelleben von Menschen in einer Umwelt, die ihre vormals oft rein religiös geprägte Normativität nun aus einer postmodernen Vielfalt von Lebensvorstellungen, Seligkeitsversprechen oder Wahrheitsansprüchen neu definiert, nach den unterschiedlichsten Idealen und Wünschen gestaltet. Dies bedeutet, dass der Schutz der Ehe, der in Verbindung mit einer allgemein akzeptierten Durchsetzung von Beziehungsmodellen seine Berechtigung hatte, in einer modernen Welt irrelevant wird.

Es stellt sich die Frage nach der Zielsetzung dieser Idee von Ehe und Familie. Dieses Ziel schien darin zu bestehen, mit dem Ideal der Ehe – ob sie nun zivil- oder kirchenrechtlich geschlossen wurde ist dabei fast schon unerheblich – auch den Fortbestand der Gesellschaft durch ehelichen Nachwuchs zu garantieren. Dazu dienten dann auch steuerliche Anreize und weitere rechtliche Vorteile.

Diese Zielsetzung ist jedoch nicht erst in aktueller Zeit, sondern wohl bereits seit den 1960er Jahren zunehmend hinfällig geworden. Es bleibt also, die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Schutzes der Ehe.

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Wenn mit dem Schutz der Ehe ein besonderes Ideal von menschlichem Zusammenleben gefördert werden soll, dann ist dies eine konservative Konstante. Diese kann man vertreten, muss dann aber der steigenden Scheidungsraten beziehungsweise der zunehmenden Flexibilisierung von Beziehungskonstellationen gerecht werden. Erstens kann man diese neuen Beziehungen ausgrenzen, wie es beim Widerstand gegen die gleichberechtigte Eheschließung für homosexuelle Paare der Fall war. Zweitens kann man diese neuen Beziehungen integrieren, wie es mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts mit seinem Grundsatzurteil vom 17. Juli 2002 getan hat.

Beides wird jedoch der Realität ebenso wenig gerecht wie dadurch das Ziel des gesellschaftlichen Wachstums unterstützt wird. Das konservative Ideal der Ehe als religiöses Ewigkeitsversprechen und als Wunschvorstellung von Familie wird schlicht weitergeführt.

Vielleicht wäre es deshalb sinnvoll, eine Abschaffung der ehelichen Schutzrechte zu diskutieren und so die freiheitliche und flexible Form von Zusammenleben zu gewährleisten, ohne steuerliche oder sonstige Zugeständnisse an die unterschiedlichsten Beziehungsmodelle zu knüpfen. Man könnte dann soweit gehen und diese Rechte an Kinder binden. Dies bedeutet, dass jedwede Beziehungskonstellation erst durch die Übernahme von Erziehungsverantwortung steuerliche und weitere Vorteile genießen würde. Weitere, über die Kindererziehung und das Kindeswohl hinausgehende Belange könnten in entsprechenden Verträgen – nichts anderes ist im rein formaljuristischen Sinne die Ehe – zwischen den Partner geregelt werden.

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