Etwas Hip, etwas fränkisch

Alexander Herrmann hat in Nürnberg einen – eigentlich zwei – Laden eröffnet. Das Imperial um das es hier nicht geht und das Fränkness, um das es hier geht.

Man ist vielleicht immer etwas voreingenommen von Restaurants, die ihre Besucher sehr über den prominenten Namen ihres Inhabers ziehen. Das ist beim Fränkness sicherlich auch der Fall. Eine kurze nicht representative Umfrage unter Passanten belegte: 100% der Befragten wussten nicht, was es im Fränkness gibt, aber sie wussten, dass „das doch das neue Restaurant vom Alexander Herrmann“ ist.


Zugegeben, mit der Prominenz dürfte es auch schwerfallen, dieses Verhältnis umzudrehen.


Leicht geschädigt von überteuerten Gewürzläden eines anderen aus Funk und Fernsehen bekannten Kochs – Stichwort Ingwer – bin ich also in das Fränkness, welches seinen Lokalkolorit schon dadurch beweist, dass die Fenster von einer Nürnberg Künstlerin beschriftet wurden. Hannah Rabenstein hat ganze und schöne Arbeit geleistet.
Innen sieht es offen, luftig und zu Beginn leicht unübersichtlich aus. Es geht hier um Selbstbedienung mit Vorkasse und diesen brummenden und piepsenden Tischalarmanlagen, die einen daran erinnern, dass das bestellte Essen fertig und abholbereit ist. Die Orientierung gelingt aber relativ schnell und der freundliche Mann an der Kasse/Empfang führt auf Wunsch auch durch die Karte.


Fingerfood auf fränkisch dominiert die Karte und das ist es auch, was das Fränkness – neben den angenehmen Preisen – attraktiv macht.

Da ich Burger liebe und auch zu Schweinebraten nicht nein sagen kann, habe ich mich für den Schweinebratenburger entschieden.


Dazu gibt es die klassische Auswahl an Hipster-Getränken. [Ich habe ja auch nichts gegen eine normale Cola ohne Zero und ohne veganes Etikett, aber sei es drum]
Der Burger liegt nach kurzer Zeit abholbereit vor und wird begleitet von einem grünen Salat mit wohl gekrümmelter Kruste vom Schweinebraten (nehme ich an).
Die gepickelte Karotte schmeckt fein, der Burger selbst ist in seiner Kombination von Laugenbrötchen, gezupftem Schweinebraten und Kraut hervorragend. Allerdings ist das Laugenbun schon schnell vom Saft des Bratens und des Krauts so durchtränkt, dass es fast nicht möglich ist den Burger klassisch mit der Hand zu essen. Das bleibt aber – neben der etwas zu nervigen Hintergrundmusik – der einzige „Schwachpunkt“. 
Den generell ist das Fränkness eine kulinarische Bereicherung und liegt nah genug an den Einfallswegen der Nürnberg-Besucher. Das tut den Fast-Food-Allerlei-Ketten ganz gut. Natürlich ist es jetzt nicht so, dass das Fränkness die Ausnahmeerscheinung ist, sondern den Auf-die-Hand-Trend in Nürnberg schlicht und einfallsreich erweitert. Die Anziehungskraft vom naheliegenden Wurstdurst bleibt ebenso bestehen, wie es im Mammam handlichere Burger gibt. Aber: der regionale Ansatz, den Alexander Herrmann mit dem Fränkness verfolgt ist schön und bereichert. Dazu kommt eine faire Preispolitik und das wunderbare Erlebnis, dass man sich eben nicht auf ein reines Franchise-Erlebnis, sondern auf durchdachte Variationen lokaler fränkischer Gerichte freuen kann.

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