Flora und Fauna in der App

Die Waldfibel – oder wie eine App nicht geht.

Wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mal die Waldfibel-App gemacht hat.

Es ist ja ein hehrer Wunsch, junge Menschen mit einer App dazu zu bringen, sich intensiver mit der Flora und Fauna des deutschen Waldes zu beschäftigen.

Allein: manchmal bleibt es bei dem Wunsch. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat die Waldfibel-App kreiert und es gibt Menschen, die diese App bereits als Alternative zu Pokémon Go bezeichnen.

Lerne den Wald kennen

Öffnet man die App wird man aufgefordert, den Wald zu entdecken. Es gibt eine als Panorama aufgebaute Basis der App, die den Wald und die verschiedenen Tiere und Pflanzen zeigt. Drückt man auf diese erscheinen weitere Infos. Alles noch ganz nett. Nicht wirklich spannend, aber interessant.

Halt! Wird jetzt der ein oder andere sagen. Warum muss es denn immer spannend sein? Weil es sich sonst keiner anschaut, würde ich darauf entgegnen. Zumindest nicht freiwillig.

Was die App nicht hat ist eine Geolokalisierung. Was verwundert, weil es doch grundsätzlich kein Problem ist – ich weiß, dass jetzt einige Datenschützer in ihre Umlaufmappen beißen – eine einfache Google Maps Anbindung herzustellen. Man könnte mit den Daten, die es sicherlich von den deutschen Staatsforsten gibt, dass Vor-Ort-Erlebnis authentischer machen. Ich sage der App, wo ich bin und die App sagt mir, welche Bäume, Pflanzen, Tiere und Böden ich hier finde.

Die Killerfeatures

Es gibt Plakate und Infomaterial über den Wald. Diese kann man bestellen, indem man das ziemlich Web 1.0 artige App-Menu aufklappt und die 26 Menupunkte durchsucht. Schon an Stelle 19 finden sich „Die Poster“.

Wenig intuitiv, dafür mit schicken Pfeilen, mit denen ich nach rechts oder links irgendwas auswählen kann, gestaltet, scrollt der User also nach unten, bis er zur Verlinkung auf die Poster-Bestellung gerät.

Der Link führt offensichtlich aus der App heraus. Was man als UX Fehler bewerten könnte.

Bestell dir dein Poster

Vor den Bestellprozess hat das Bundesministerium das erste Gamification Element gesetzt. In Form des Kinder- und Jugendschutzes. Ich habe mich nicht mehr getraut hier weiter zu machen – man sitzt im Zug, irgendjemand schaut einem über den Rücken und dann erscheint möglicherweise ein NSFW-Feature der Waldfibel-App. Das Risiko war mir zu groß.

App Kindersicherung

Das Intro

„Liebe Bürgerinnen und Bürger…“, so beginnt das Grußwort der App, welches ich bei Pokemon Go so schmerzlich vermisst habe.

Was muss man dazu noch sagen? Eine App hat ein Grußwort. Punkt!

App Grußwort

Tl;dr

Das ist keine App, sondern eine interaktive Broschüre mit einem statischen Wald, einem Grußwort und Jugendschutz bei Waldpostern. Wahrscheinlich ist der Aufbau der App nach irgendwelchen medienpädagogischen Prinzipien der 80er Jahre des vorletzten Jahrhunderts innovativ. Irgendwo weint wahrscheinlich immer noch der Projektverantwortliche der Agentur, die beauftragt wurde, diese App zu entwickeln. Nach unzähligen Feedbackschleifen und einer Zermürbung des Agenturteams ist dann die Waldfibel entstanden. Im Ministerium finden das wahrscheinlich alle toll, weil das Grußwort des Ministers auch drin ist.

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