ÖPNV mich am Arsch

oder: Lost in Translation!?

Liebe VAG, VGN, DB Regio oder wie auch immer mein Ansprechpartner heißt: viele Grüße vom Pendler.

Was bedeutet dieses „Pendeln“?

Ich will regelmäßig, meist berufsbedingt unter Ausnutzung meiner MobiCard deine Leistung in Anspruch nehmen und morgens wie abends von Erlangen nach Nürnberg und zurück.

Geschenkt!

In den Jahren meines pendelns habe ich gelernt, dass Verspätungen keine Ausnahme, sondern Regelfälle sind. Geschenkt, darauf kann ich mich einstellen. Ich fahre viel Bahn und ich habe gelernt, dass ein gelassener Umgang ratsam ist und im Fernverkehr die DB App durchaus von Vorteil ist. Wenn man sie verstanden hat. 

Verspätungen dauern meist nicht mehr als 10 Minuten und zum Glück fahren da wo ich hinwill, nämlich Nürnberg, ziemlich viele U-/S-Bahnen. Wenn ich pünktlich bei einem Termin sein möchte – manchmal möchte ich meine Kinder rechtzeitig vom Kindergarten abholen – nehme ich einen Zug früher, der kommt dann mit Verspätung so an, als hätte ich den späteren Zug genommen.

Geschenkt, dass du gerne mal nen Kurzzug zur Hauptstoßzeit schickst. 

Geschenkt auch, dass dich das Wetter – Schnee und Eis im Winter – gelegentlich überrascht.

Grundsätzlich mag ich den ÖPNV. 

Grundsätzlich. Ich finde die Idee gut, ohne Auto von A nach B zu kommen, keinen Parkplatz suchen zu müssen und während der Fahrt zu lesen. Ich finde es auch richtig, dass der ÖPNV aus öffentlichen Geldern bezuschusst wird. Den Vorteil zum Stau bei den Rampen hast du durch deine durchschnittlich 5-10 Minuten Verspätung bereits ausgemerzt.

Das Problem

Was ich aber nicht mag und was mich ernsthaft auf die Palme bringt, ist deine Kommunikation aus dem 2. Jahrhundert vor Christus, wobei das den Römern gegenüber wahrscheinlich sehr unfair wäre. Aber das sollen die Historiker bewerten.

Äußere Umstände

Was mich wundert lieber ÖPNV ist, dass jedes mehr oder weniger außergewöhnliche Ereignis gleich eine Art Ausnahmezustand bei dir hervorruft.

Derzeit geht es um eine Baustelle irgendwo auf meiner Verbindung. Ich habe nicht viel Erfahrung mit Baustellen, ahne jedoch, dass die sich nicht spontan materialisieren. Zumindest nicht so spontan wie der plötzliche Wintereinbruch im Winter.

Und verstehe mich nicht falsch. Ich spreche nicht davon, dass es reale meist sehr tragische Umstände gibt, die deine Fahrplanung komplett umwerfen. Es geht mir hier um deine Kommunikation mit deinen Kunden – ich bin davon einer.

Welche Kontaktpunkte haben wir?

Infoschalter

Kann man probieren, hilft aber oft nichts, weil die Mitarbeiter vor Ort ähnlich ratlos sind wie die Reisenden. Außerdem ist das VGN-Info-Zentrum in Erlangen nicht innerhalb, sondern außerhalb des Bahnhofs. Schonmal versucht der Beschilderung zu deinem Info-Zentrum zu folgen? – Gell 😉

Lautsprecherdurchsagen

Gibt es. Leider gibt es dort dann Durchsagen wie:

„Die S-Bahn nach Nürnberg, Abfahrt 9:25h fällt heute aus. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.“

Du merkst selber was da fehlt, oder? Genau! Was sind denn meine Alternativen zum ausfallenden Zug? Du könntest anschließend beispielsweise sagen:

„Bitte nehmen sie den Schienenersatzverkehr nach Fürth. Abfahrt um XX Uhr oder die S-Bahn um 9:44h auf Gleis 3.“ Die fährt nämlich. Weiß man aber nur, wenn man lange genug in Unwissenheit wartet.

Aushänge

Nein, Nein, Nein. Die sind so unübersichtlich, dass es dafür ein Studium braucht. Ich habe aber keine 6 Semester Bahnlogistik Zeit, ich möchte heute noch an mein Ziel.

VGN App

Alter Schalterbeamter, das ist mal ne App. Ich habe inzwischen das Ticketkaufen gelernt und mich durch den recht langwierigen Prozess durchgeklickt. Ich habe aber inzwischen auch gelernt, dass Google Maps eine sehr viel präzisere Verbindungsauskunft gibt für deine Verkehrsmittel, als die VGN App.

Wo, wann und wie?

Es kann aber sein, dass ich gerne wissen möchte wo, wann und wie denn der Schienenersatzverkehr fährt für den Zug, den ich ursprünglich nehmen wollte. Weil ich diesen Weg der Tränen durch deine App nicht beschreiben kann, ohne dir die einzelnen Zwischenschritte um die Ohren zu hauen, habe ich dir einfach mal ein paar Screenshots in der Abfolge deiner App hier eingefügt. 

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Social Media und Website

Boah, alter Falter. Die Website ist… lassen wir das. Infos zu aktuellen Verkehrsveränderungen finde ich da nicht. Das kann aber auch daran liegen, dass ich einer der wenigen Menschen bin, die am Bahnsteig deine Website nur mobil aufrufen. (Die Ironie hast du verstanden, oder?)

Bei Social Media finde ich dich nicht. Weißt du, Twitter, wäre ein super Tool, um mit deinen Kunden zu kommunizieren. Wäre. Ist es aktuell bei dir nicht.

Nachtrag 3.07.2017. Ich bin darauf hingewiesen worden, dass es einen Twitter Account gibt. Und zwar hier: VAG_Linieninfo

Du kannst auch gerne eine Facebook Seite machen oder Snapchat oder was weiß ich – lass die Finger von MySpace -, egal, mach da irgendwas, wo ich dich etwas fragen kann und du mir eine Antwort gibst.

Fazit

Es bleiben 3 Fragen als Anregung für dich, lieber Ansprechpartner im ÖPNV:

  • Hast du lieber Ansprechpartner im ÖPNV in der so genannten Metropolregion Nürnberg deine Kommunikationspolitik schon mal am eigenen Leib erfahren?
  • Hast du schonmal versucht mit deiner App schnell eine sinnvolle Information für den Schienenersatzverkehr zu bekommen. In Eile und im Laufen?
  • Hast du schonmal versucht dich auf anderen Kanälen – Twitter, Facebook, von mir aus auch Snapchat – anzusprechen und etwas zu fragen?

Nein? Nein! Nein, das hast du nicht. Weil hättest du es getan, deine Kommunikation sähe anders aus. Hoffe ich.

Und komm mir jetzt bitte nicht damit, dass ihr das schon immer so gemacht habt. Klar habt ihr das schon immer so gemacht. Das ist ja das Problem. 

Wahrscheinlich wären immer noch viele Pendler sauer, dass du so viele Verspätungsminuten sammelst, aber die Pendler – und nicht nur die –  wären wenigstens informiert und wüssten, was als nächstes passiert, welches Verkehrsmittel also fährt.

Und genau das wäre es doch. 

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